30. Internationales Literaturfestival Leukerbad

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Kamel Daoud

Algerien/Frankreich

Kamel Daoud

Stellen Sie sich vor, es wäre Ihnen gesetzlich verboten, über die prägende Epoche Ihres Lebens öffentlich zu sprechen. Genau so geht es den Algerierinnen und Algeriern mit dem Bürgerkrieg der 1990er Jahre – das Schweigegebot soll der nationalen Versöhnung dienen.
Kamel Daouds aktueller Roman Huris setzt sich über das Verbot hinweg und entfaltet vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs eine dichte, verstörende Erzählung über Gewalt, Erinnerung und weibliche Selbstbehauptung, der das Unsagbare in eine literarische Form bringt. Im Zentrum steht Aube, eine junge Frau, deren Körper und Biografie von den Traumata der 1990er Jahre gezeichnet sind. Daoud erzählt in einer eindringlichen, oft fragmentierten Sprache, die erzählerische Verdichtung, essayistische Reflexion und politische Analyse verschränkt. Huris wurde mit Frankreichs höchster literarischer Auszeichnung, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.
Daoud, 1970 in Mostaganem geboren, studierte Literatur und arbeitete lange als Journalist, vor allem für den Quotidien d’Oran, wo er sich mit scharfzüngigen Kolumnen einen Namen machte. International bekannt wurde er mit seinem Roman Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung, der als postkoloniale Antwort auf Camus’ Der Fremde gelesen wurde. Seit Algeriens Regierung Huris verbot und einen internationalen Haftbefehl gegen ihn ausstellte, lebt Daoud ganz in Frankreich.


Huris. Roman. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Matthes & Seitz 2025
Meine Nacht im Picasso-Museum: über Erotik und Tabus in der Kunst, in der Religion und in der Wirklichkeit. Kiepenheuer & Witsch 2020
Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung. Roman. Aus dem Französischen von Claus Josten. Kiepenheuer & Witsch 2016

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31. Inter­nationales Literatur­festival Leukerbad: 25.–27.6.2027