Ausstellung: 25. Internationales Literaturfestival Leukerbad

Für die Ausstellung haben die Mitglieder des Festival-Organisationsteams jeweils ihre Lieblingsbilder der letzten Jahre herausgesucht und kommentiert.

Ausstellung mit Fotografien aus der Festivalgeschichte
Ort: Galerie St. Laurent


Dass etwas zum 25. Mal stattfindet, gilt als Leistungsausweis und Grund zum Feiern. Von «einem Viertel­jahrhundert» ist dann die Rede, Anfänge werden beschworen, Erreichtes in die Zusammenschau getragen.
Wir – Hans Ruprecht und Anna Kulp leiten das Festival seit 2006 bzw. 2007 – stehen vor allem erstaunt vor der Tatsache, dass es das Internationale Literaturfestival Leukerbad geschafft hat, 25 zu werden. So oft standen wir in den letzten 15 Jahren vor grundlegenden Problemen, meist ging es um Budgetlöcher, die sich schneller auftaten, als wir sie stopfen konnten, immer wieder ging es um Infrastrukturen, die nicht mehr zur Verfügung standen und jedes einzelne Jahr wechselten Ansprechpersonen bei den wichtigsten Partnerinstitutionen. Und eigentlich hätte das Festival ja schon im letzten Jahr sein «Vierteljahrhundert» voll machen sollen... Doch jetzt, im Mai 2021, sinken die Inzidenzen, und die politischen Weichen stehen auf Öffnung, es sieht also so aus, als könnte es in diesem Jahr trotz aller Widrigkeiten klappen mit dem Jubiläum.

Dass die Konzeption des Internationalen Literaturfestival Leukerbad ein Geniestreich der beiden Gründer Ricco Bilger und René Grüninger war, zeigt sich jedes Jahr aufs Neue: Am grundlegenden Ablauf des Festivals wurde seit seiner Gründung 1996 nichts geändert. Es wurde angepasst, umgezogen, erweitert, doch noch immer geben die besonderen Leseorte der ersten Stunde und der Ablauf, den Ricco und René aufgestellt haben, dem Festival einen festen Rahmen; die freitägliche Mitternachtslesung auf der Gemmi, der Literarische Dalaschlucht­spaziergang am Freitag- und Samstagmorgen, die Verteilung der Leseorte im Dorf, ein trockengelegtes Thermal­bad für die Abendveranstaltungen und wann immer es geht, Veranstaltungen draussen in den schönen Hotelgärten. Wir ziehen den Hut!

Und doch ist das Festival heute nicht mehr das gleiche. Es ist erwachsen geworden; die Eintrittszahlen sind von 1200 gezählten Eintritten im Jahr 2006 auf zuletzt 3800 gestiegen. Statt 20 bis 25 Autorinnen und Autoren sind jetzt jedes Jahr 35 bis 40 in Leukerbad zu Gast. Das Festival hat mit dem Übersetzungskolloquium (das in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2006 pandemiebedingt ausfallen muss), der Literarischen Wanderung, den Schreibwerkstätten, Auftaktveranstaltungen im Wallis oder wie in diesem Jahr in Zürich, der Gesprächsreihe «Perspektiven» sein Portfolio erweitert, sein Profil als innovatives und internationales Literaturfestival in der Schweiz geschärft und seinen Bekanntheitsgrad weit über die Landesgrenzen hinaus erhöht.
Das Umfeld des Festivals ist auch nicht mehr das gleiche, denn im Gründungsjahr 1996 schien die Jahrtausend­wende noch abstrakt und weit weg, nun stehen wir schon am Beginn der «neuen Zwanzigerjahre». Während 1996 die erste grössere Online-Veranstaltung stattfand, ist das Internet für die meisten von uns heute ein Alltagsbegleiter und selbstverständlicher Ausweichraum im Falle von flächendeckenden Kontaktverboten. Die Komplexität, der wir heute gegenüberstehen, ist neu. Wir hoffen, dass das Literaturfestival Leukerbad einen Beitrag dazu leisten kann, die Welt, in der wir leben, in all ihrer Komplexität auszuhalten und kleine Inseln des Verstehens schaffen kann. Leukerbad, hoch oben in den Walliser Bergen, ist der perfekte Ort, um die Welt für ein paar Tage aus der Ferne zu betrachten und mit gestärktem Geist und ausgeruhtem Körper wieder zurückzukehren in den Alltag.

Dankbar sind wir. Für all die Menschen, die mit ihrem Beitrag das Literaturfestival Leukerbad jedes Jahr wieder ermöglichen. Manches Jahr ging es knapper aus als in anderen, doch bis jetzt hat – oftmals zu unserem Erstaunen – dann doch noch alles seinen Platz gefunden und das Internationale Literaturfestival Leukerbad konnte wieder ein Jahr älter werden.

Und weil Festivalmacherinnen und -macher lieber in die Zukunft schauen als zurück, lassen wir Sie zum Schluss noch auf unseren Wunschzettel spicken: Ein Sponsor wäre fein*. Und eine «James-Baldwin-Gasse» in Leukerbad**.

Staunend, dankbar und sehr herzlich,
Anna Kulp & Hans Ruprecht


* Falls Sie ein Unternehmen kennen, das sich eine langfristige partnerschaftliche Unterstützung eines innovativen internationalen Literaturfestivals vorstellen könnte, freut sich Anna Kulp (kulp@literaturfestival.ch) über einen Hinweis.

** Liebe Badnerinnen und Badner, dieser Wunsch richtet sich an euch! Ihr würdet den zwei Festivalmachern eine Riesenfreude bereiten, und auch Barack Obama zählt den Weltautor Baldwin zu seinen Lieblings­schriftstellern, und wir sind uns sicher: selbst der in Leukerbad vielzitierte Goethe hätte ihn famos gefunden!


Zeruya Shalev mit ihrer deutschen Stimme Eva Mattes am 13. Internationalen Literaturfestival Leukerbad 2008.

Zeruya Shalev mit ihrer deutschen Stimme Eva Mattes am 13. Internationalen Literaturfestival Leukerbad 2008.

V. l. n. r.: Peter Burri, Jürg Laederach, Peter Bichsel, Raphael Urweider und Christoph Simon am Begrüssungsabend auf der Torrent 2012.

V. l. n. r.: Peter Burri, Jürg Laederach, Peter Bichsel, Raphael Urweider und Christoph Simon am Begrüssungsabend auf der Torrent 2012.

Anne Carson mit Christine Lötscher am 21. Literaturfestival Leukerbad 2016.

Anne Carson mit Christine Lötscher am 21. Literaturfestival Leukerbad 2016.

Angela Winkler am 16. Internationalen Literaturfestival Leukerbad 2011 auf der Torrent.

Angela Winkler am 16. Internationalen Literaturfestival Leukerbad 2011 auf der Torrent.

Arno Camenisch auf der Panoramaterrasse der Rinderhütte 2013.

Arno Camenisch auf der Panoramaterrasse der Rinderhütte 2013.

Literarischer Dalaschluchtspaziergang 2016.

Literarischer Dalaschluchtspaziergang 2016.

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27. Internationales Literaturfestival Leukerbad
. bis . Juni 2022