Perspektiven

Aktuelle Themen aus Kultur und Gesellschaft im Gespräch

Das Werk von Ré Soupault versus Dadaismus und Surrealismus
Manfred Metzner, Christian Uetz und Stefan Zweifel im Gespräch

Im Frühjahr 1919, einige Monate nach Ende des Ersten Weltkriegs, schrieben Philippe Soupault und André Breton im Hotel Grands Hommes in Paris den ersten surrealistischen Text der Literaturgeschichte, Les champs magnétiques (Die magnetischen Felder). Zusammen mit Louis Aragon – der Dichter Guillaume Apollinaire hatte die drei jungen Männer miteinander bekannt gemacht – begründeten sie die Surrealismus-Bewegung. Die Surrealisten wandten sich gegen die Vorstellung einer als objektiv zu betrachtenden äusseren Wirklichkeit und nutzten Rauschzustände und Traumerlebnisse, um zu einer inneren Wirklichkeit vorzudringen, die sie in ihren Werken darstellten.
100 Jahre Surrealismus sind Anlass, um über die Bewegung des Surrealismus zu sprechen und dabei zu versuchen, seine Aktualität für das 21. Jahrhundert zu reflektieren.


100 Jahre Bauhaus – Was bleibt von einer der wichtigsten geistigen und künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts?
Theresia Enzensberger und Manfred Metzner im Gespräch

Gesellschaftliche Utopien, die uns bis heute prägen, wurden entworfen, «aber was war denn eigentlich so Besonderes an diesem Bauhaus, dass Kinder sich mit ihren Eltern entzweiten, um in dieser Gemeinschaft zu leben?», fragte Ré Soupault und antwortete: «Es war unter uns ein Geist lebendig: einer für alle, alle für einen. Ein Ideal hatte uns zusammengeführt: weg von den Vorurteilen einer bürgerlichen Welt, die von dem preussischen Militarismus beherrscht wurde und den Menschen erstickte. Der verlorene Krieg, die materielle und seelische Not wurde diesem Militarismus und diesem Bürgertum angekreidet. Nicht, dass man viel darüber sprach, aber unsere ganze Lebens- und Denkweise war darauf gegründet: neu anfangen, alles, was gewesen war, über Bord werfen, sich nicht dreinreden lassen. Wir waren zwischen 80 und 100, aus vielen Ländern: Ungarn, Polen, Russland, Österreich. Es gab unter uns weder nationale noch rassische noch soziale Unterschiede: wir waren eben Bauhäusler.»
Eine kritische Auseinandersetzung.


Kollektives Gedächtnis
Aleida Assmann, Jan Assmann und Durs Grünbein im Gespräch mit Stefan Zweifel

In unseren Zeiten der Verunsicherung treffen ihre Forschungsfelder den Nerv der Zeit: vom Monotheismus über das Gedächtnis von Nationen oder anderer Formen von Gesellschaftsgruppen bis zu Möglichkeiten der Überwindung kollektiver Traumata haben die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann jahrzehntelang gearbeitet und publiziert.
Kommunikatives Gedächtnis und kulturelles Gedächtnis sind die beiden Bestandteile des kollektiven Gedächtnisses. Das kommunikative Gedächtnis ist auf die mündliche Überlieferung der vorangegangenen drei Generationen begrenzt, nach Aleida und Jan Assmann auf rund 80 Jahre. Es ist alltagsnah und gruppengebunden.
Das kulturelle Gedächtnis hingegen ist die Tradition in uns, die über Generationen, in jahrhunderte-, ja teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten Texte, Bilder und Riten, die unser Zeit- und Geschichtsbewusstsein, unser Selbst- und Weltbild prägen. In ihrer kulturellen Überlieferung wird eine Gesellschaft sichtbar: für sich und für andere. Welche Vergangenheit sie darin sichtbar werden und in der Wertperspektive ihrer identifikatorischen Aneignung hervortreten lässt, sagt etwas aus über das, was sie ist und worauf sie hinauswill.


«Die Gedächtnislosen»
Géraldine Schwarz im Gespräch mit Lukas Bärfuss

Erinnerungskultur – was ist das? Gedächtnisarbeit – wozu? Geschichte und Erinnerung sind nicht zu trennen. Es gibt keine Formel für gelungenes Erinnern. Um das Heute und das Morgen zu meistern, ist ein Austausch nötig, denn Erinnerung bedeutet nicht nur die Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung, sondern auch mit der Erfahrung der andern.


«Achsenzeit» – Gründungsmythos der Moderne
Jan Assmann im Gespräch mit Stefan Zweifel

Um das 6. Jahrhundert v. Chr. traten in verschiedenen Kulturräumen der Welt unabhängig voneinander Philosophen und Propheten auf, die das bisherige mythische Denken überwanden: Konfuzius und Laotse in China, Buddha in Indien, Zarathustra in Persien, die Propheten des alten Israel und die vorsokratischen Philosophen in Griechenland. Diese Zeit wurde von Karl Jaspers «Achsenzeit» genannt. Jan Assmann beschreibt, wie Historiker und Philosophen seit der Aufklärung die erstaunliche Gleichzeitigkeit der Achsenzeit-Kulturen erklärt und in der Achsenzeit die geistigen Grundlagen der Moderne gesucht haben. Die Annahme einer Achsenzeit der Weltgeschichte wurde so zu einem Gründungsmythos der Moderne. Sie hält einer historischen Überprüfung zwar nicht stand, wie Assmanns Buch Achsenzeit anschaulich zeigt, aber an das damit verbundene Bestreben, eine eurozentrische Sicht auf die Geschichte zu überwinden, können wir bis heute anknüpfen.


Weiblichkeit im arabischen Raum
Nora Amin im Gespräch mit Christine Lötscher

Nora Amin reflektiert über die Rolle der Frau in arabischen Gesellschaften und darüberhinaus über Privatheit, Intimität und Körperlichkeit. Die Zeit schreibt: «Nora Amin arbeitet ein Paradox heraus: Ohne die Blicke der anderen sei Identität nicht möglich, niemand entwerfe sich im luftleeren Raum. Doch die Blicke veränderten zugleich jede Identität, indem sie bewerteten und so den anderen formten, das sei so in Ägypten wie in Deutschland.»


Autorinnen im arabischen Raum
Eman Mohammed Turki, Mariam Al-Saedi und Nora Amin im Gespräch mit Mustafa Al-Slaiman

Wie sieht es aus mit der Rolle der Literatur von Frauen in der arabischen Welt? Der märchenhafte Orient mit der Geschichte von Scheherazade ist ebenso ein Klischee wie das Bild der unterdrückten, Kopftuch tragenden Frau eine Verallgemeinerung ist. Die jordanische Dichterin Siwar Masannat warf in einem Essay die Frage auf, ob Werke von Frauen «künstlerische Elemente» aufweisen, die ganz bewusst von den männlichen Kriterien abweichen, und zwar einfach aufgrund ihrer Lebenserfahrung und der Stellung ihrer Identität innerhalb ihrer Gesellschaft.


Veranstaltungsorte und Zeiten siehe Detailprogramm

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Literarische Wanderung
24. Internationales Literaturfestival Leukerbad
28. bis 30. Juni 2019